02.07.2021

«Sie haben sich einen guten Tag ausgesucht», sagt Marina Küng lachend am Telefon. «Heute geht es gut.» Denn oft genug ist es anders, davon kann die 23-Jährige ein Liedchen singen. Die Achterbahnfahrt, den berühmten «Corona-Coaster», kennt auch sie. «Ich bin auf Feld 5, rücke vor bis auf Feld 8, und dann werde ich wieder auf Feld 2 zurückgeworfen.»

Diese Rückschläge seien schwierig und frustrierend. «Es ist wie ein schlechter Adventskalender. Ich weiss nie, was mich am nächsten Morgen erwartet.»

20200918195026 IMG 1027

Normalerweise ist Marina Küng ein Ausbund an Lebensfreude. «Ich will gute Laune in die Welt tragen. Das ist mein Lebensmotto: Leute damit anstecken!», sagt sie. Auch jetzt ist ihr anzuhören, dass sie sich nicht unterkriegen lassen will – auch wenn sie zugibt: «Long COVID hat mich völlig überrollt.»

Zu viel gewollt – dann kam der Crash

Küng wohnt in Immensee im Kanton Schwyz. Die gelernte Drogistin arbeitet in Zug in einer Apotheke. Zwei Monate nach ihrer COVID-19-Infektion von Ende März hatte sie sich vermeintlich erholt. Sie ging wieder voll arbeiten und stemmte daneben auch noch einen Umzug. Das war zu viel. «Ich hatte einen Schwächeanfall und musste ins Spital.» Danach war sie für längere Zeit zu 100 Prozent krankgeschrieben.

IMG 20210522 WA0014

«Ich habe die Signale meines Körpers zu wenig respektiert», sagt Marina Küng rückblickend. «Ich dachte, es geht schon, obwohl ich nach einem normalen Arbeitstag völlig kaputt war.» Inzwischen kann sie wieder 20 Prozent arbeiten, auch wenn sie manchmal absagen muss.

Neurologische Probleme

Seit dem Spitalaufenthalt sind neurologische Probleme hinzugekommen: Ein gelegentliches Taubheitsgefühl in den Armen und den Beinen. Deswegen ging Marina Küng in die Long-COVID-Sprechstunde des Zürcher Unispitals. «Dort fühlte ich mich sehr gut verstanden, das macht Hoffnung und Mut», sagt sie. Deshalb macht sie jetzt auch bei zwei Studien mit.

«Zu merken, dass ich nicht alleine bin, dass es vielen Leuten gleich ergeht wie mir, hat mich beruhigt.»

Marina Küng musste also lernen, kleinere Brötchen zu backen. Sie, die früher immer Vollgas gegeben hatte. Nun muss sie sich zugestehen, dass auch schon der Einkauf und die Wäsche herausfordernd genug sind. Und sie schaut, was ihr guttut, Akupunktur oder sehr sanftes Yoga. Von den verschiedenen Sachen, die sie ausprobiert hat, fand sie bis jetzt CBD-Tropfen am hilfreichsten. «Auch bei neurologischen Beschwerden kann es lindernd wirken», sagt Marina Küng. Ihr helfe CBD unter anderem beim Schlafen. «Oft bin ich müde, aber trotzdem rastlos und kann schlecht schlafen. CBD hat geholfen, das zu harmonisieren.» 

Marina Küngs Tipp: CBD-Tropfen

Einblenden Ausblenden

CBD (Cannabidiol) ist ein Hanf-Bestandteil, der im Gegensatz zu THC (Tetrahydrocannabinol) keine berauschende Wirkung hat. CBD untersteht in der Schweiz deshalb nicht dem Betäubungsmittelgesetz. CBD wird unter anderem eine entzündungshemmende, schmerzstillende und beruhigende Wirkung zugeschrieben. CBD gibt es in verschiedenen Konzentrationen rezeptfrei in der Apotheke oder Drogerie. Am besten lässt man sich von einer Fachperson beraten.

Als nächstes steht nun Physiotherapie auf dem Programm, weil ein Bein manchmal ein bisschen lahmt. Und dann geht es vor allem darum, geduldig mit sich selbst zu sein. «Man darf auch mal einen Moment frustriert sein», findet Marina Küng. «Was ist los mit meinem Körper? Was läuft nicht richtig?»

Zum Glück keine Zweifler

«Ich habe Glück, dass mein Umfeld sehr verständnisvoll ist, sowohl privat als auch beruflich», sagt Küng. «Ich weiss nicht, ob ich diese verrückte Zeit sonst so gut durchgestanden hätte. Wären jetzt noch Zweifler und Probleme mit der Krankenkasse dazugekommen, das wäre unvorstellbar.»

«Ich habe erkannt, dass die Leute gerne für einen da sind!»

Was die junge Frau ebenfalls lernen musste: Hilfe annehmen. Mittlerweile gehe das besser: «Ich habe gemerkt, dass die Leute gerne für mich da sind!» Eine schöne Erkenntnis in der ganzen Tristesse. Und Küng lernte ebenfalls, den allgegenwärtigen Leistungsdruck zu hinterfragen.

Neuen Selbstwert gefunden

«Wenn ich etwas leiste bin ich gut, wenn ich nicht leiste, schauen die anderen auf mich herab, dachte ich immer», erzählt Küng. Dabei sei es problematisch, den eigenen Selbstwert an die Leistung zu koppeln. «Ich bin genauso gut, wenn ich weniger als sonst leiste. Mein Körper hat gerade genug zu tun», sagt sie. Das klingt fast, als ob sie den unfreiwilligen Lektionen der letzten Monate auch Positives abgewinnen könne. «Auf jeden Fall!», entgegnet Marina Küng mit Überzeugung. «Gewisse Sachen, die mir passiert sind, haben mich auch extrem viel gelehrt.»