Kaba Dalla Lana HG

Kaba Dalla Lana
14.07.2021

Kurzatmigkeit wird von Betroffenen als ein schwächendes Symptom beschrieben, das sich negativ auf die Lebensqualität und das psychische Wohlbefinden auswirkt oder sie körperlich beeinträchtigt, etwa aufgrund von verspannten Nacken-Schulter-Muskeln.

Meist beruhen die Ursachen auf einer Störung des Zusammenspiels zwischen pathophysiologischen, psychologischen und biomechanischen Faktoren (vgl. Grafik). Es können also krankhafte Einschränkungen von Organen (pathophysiologisch), Einflüsse wie Stress, Panik und Angst (psychisch) oder das Zusammenspiel und die Steuerung des Bewegungsapparats (biomechanisch) an den Atembeschwerden beteiligt sein.

Auslöser Gest. Atemmuster

Das bedeutet: Eine Störung des Atemmusters ist komplex und kann viele mögliche Auslöser haben. In diesem Beitrag werden die grundlegende Funktion der Atmung sowie diagnostische Mittel erklärt, mit denen Störungsursachen gefunden werden können. Denn wenn man diese kennt, ist eine zielführende Behandlung möglich.

Bei Long COVID ist Kurzatmigkeit eines der verbreitetsten Symptome. Der genaue Zusammenhang und Enstehungsmechanismus ist jedoch bisher meist unklar. Deshalb kommen bei Long COVID oft symptomorientierte Therapien zum Einsatz.

Wie funktioniert eigentlich die beschwerdefreie Atmung?

Das Atmungssystem dient primär dem Austausch zweier Gase: Sauerstoff und Kohlendioxid.

Der Gasaustausch findet zwischen den Millionen von Lungenbläschen (Alveolen) und den sie umgebenden kleinsten Blutgefässen (Kapillaren) statt. Damit der eingeatmete Sauerstoff (O2) zu allen Zellen gelangt, müssen die Blutwege sowie die Atemwege – also Nase, Bronchien und Lungenbläschen – möglichst frei und offen sein.

Es gibt den Gasaustausch in der Lunge und den Austausch auf Ebene der Zellen.

Zudem müssen die Kontaktstellen für den Gasaustausch zwischen den Lungenbläschen und den Kapillaren ausreichend vorhanden und optimal durchlässig sein – so erreicht der Sauerstoff letztlich sein Ziel, die Kraftwerke der Zellen (Mitochondrien), und kurbelt dort die Energiegewinnung an.

Deshalb spricht man von der inneren Atmung oder auch von der Zellatmung. Das bei der Energiegewinnung in der Zelle entstehende Kohlendioxid (CO2) muss aus dem Blut in den Kapillaren über die Alveolen abtransportiert, respektive ausgeatmet werden.

Bei der äusseren Atmung spielt die Muskulatur eine zentrale Rolle: Wenn die Herzmuskeln regelmässig pumpen, die Atemmuskeln, speziell das Zwerchfell, sich effizient an- und entspannen und die Skelettmuskeln gut trainiert sind, laufen die Rädchen von Skelettmuskulatur, Herz und Lunge wie geschmiert in- und miteinander (siehe untenstehende Grafik oder das PDF zum Herunterladen).

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Abnormale Atmungsmuster wie die Kurzatmigkeit können sich aus unterschiedlichen Gründen entwickeln: vom Atmen mit den «falschen» Muskeln – das heisst, mit den Atemhilfsmuskeln statt mit dem Zwerchfell – über das Atmen durch den Mund statt durch die Nase bis hin zum chronischen Hyperventilationssyndrom.

Tests können Klärung bringen

Wenn Tests einzelner Organe unauffällig sind, kann zur Klärung der Kurzatmigkeit eine Spiroergometrie sinnvoll sein. Die Spiroergometrie, auch CPET (cardio pulmonary exercise test) genannt, untersucht das ganzheitliche Zusammenspiel von Atmung, Herz-Kreislauf und Skelettmuskulatur unter Belastung.

Um sich körperlich, geistig und emotional zu erholen und gesund zu bleiben, muss man die Ursachen von Kurzatmigkeit und Atemnot kennen.

Der Spiroergometrie-Test

Dieser maximale, symptombegrenzte kardio-pulmonale Belastungstest gilt als Goldstandard für die Messung der körperlichen Leistungsfähigkeit. Der Test misst die Gasaustauschparameter mithilfe eines Mundstücks oder einer Maske, während die Testperson auf einem Laufband oder einem stationären Fahrrad mit einer kontrollierten Steigerung des Widerstands oder der Leistung trainiert. Der Spiroergometrie-Test wird häufig verwendet, um das Fitnessniveau von Sportlern oder von Patienten mit kardio-pulmonalen Erkrankungen zu messen. In diesen Zielgruppen sind CPET-Messungen sehr zuverlässig und reproduzierbar.

Basierend auf den Atemgasen CO2 und O2 in der ausgeatmeten Luft unterscheidet die Spiroergometrie zwischen folgenden möglichen Ursachen der Kurzatmigkeit:

  • kardiale Faktoren (z.B. Herzschwäche)
  • pulmonale Faktoren (z.B. Störung des Gasaustausches)
  • muskuläre Faktoren (z.B. reduzierte Energiegewinnung in den Mitochondrien)
  • psychologische Faktoren (z.B. Hyperventilation, Panik, Angstsyndrome)
  • Dekonditionierung (z.B. durch längere Bettlägerigkeit, Inaktivität)

Die einzelnen Ursachen können auch im Verbund auftreten.

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Nutzen und optimaler Zeitpunkt einer Spiroergometrie

Ein berechtigter Einwand gegen den Spiroergometrie-Test für Personen mit anhaltender Kurzatmigkeit nach einer COVID-19-Infektion lautet: Die Betroffenen könnten als Folge der Belastungstests einen Rückfall (PEM) erleiden und teilweise mehrere Tage bis Wochen benötigen, um sich vom Test zu erholen. Das äusserst sorgfältige Abwägen vom Nutzen und dem optimalen Zeitpunkt einer Spiroergometrie, oder eines weniger aufwändigen maximalen Belastungstests, ist deshalb zwingend (vgl. den Blog zum Thema Belastungstests).

Zwingend bei Long-COVID: das sorgfältige Abwägen von Nutzen, Zeitpunkt und Nebenwirkungen eines maximalen Belastungstests.

Atemübungen verschaffen Linderung

Nicht-pharmakologische Massnahmen – das heisst, Atemübungen – können enorm viel zur Linderung von Atemstörungen und zur Steigerung des Wohlbefindens beitragen, sofern sie gezielt und regelmässig angewendet werden. Mit diesem Wissen und der Bereitschaft zu einer Atemtherapie kann die Atemumschulung beginnen. Typischerweise liegt der Fokus bei der Atemtherapie auf drei Dingen: Nasenatmung, tiefe Atmung, langsame Atmung.

Eine zentrale Rolle bei der Analyse wie auch bei der Behandlung von Störungen des Atemmusters spielen Lungenphysiotherapeuten und Atemtherapeutinnen.

Im Ratgeber Kurzatmigkeit gibt es konkrete therapeutische Ansätze und Übungen aus verschiedenen Therapiebereichen für die Anwendung im Selbstmanagement.

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